Kurzgeschichten


— zwischen Humor und Verzweiflung.


Der Tag, an dem ich fast alle Ratschläge beherzige

Der Wecker klingelt, 7:30 Uhr, exakt so, wie ich es in der tagesgenauen Wochenplanung niedergeschrieben habe. Hochmotiviert setze ich mich langsam auf, trinke 1 l Wasser gemächlich auf ex und stehe langsam auf, nachdem ich die Kompressionsstrumpfhose angelegt habe. Kurz schwinge ich meine Arme, damit der Kreislauf in Schwung kommt.

Ich bin nur mal kurz duschen

Mit ME/CFS ist ein normales Leben, ein geregelter Alltag nicht möglich. So viele Kleinigkeiten, die ein gesunder Mensch selbstverständlich nimmt, sind plötzlich riesengroße Hürden oder komplett unerreichbar.
Und von einer davon handelt diese Geschichte.

Hinter dem Vorhang 

Ich liege im Bett. Die Sonne scheint, die Bäume sind grün und die Vögel zwitschern. Doch von alldem kriege ich nichts mit: Ich liege im Bett. Und ein dunkler Vorhang schirmt mich ab gegen die Welt da draußen, die so bunt, so fröhlich und so sommerlich ist.

Das Okapi mit den Streifen

Es war einmal ein Okapi, das lebte im Dschungel. Zusammen mit seinem besten Freund hatten sie ein schönes Areal mit Bäumen und sogar eine kleine Wiese, über die immer wieder bunte Schmetterlinge flogen. Doch eines Morgens wurde die Idylle gestört. Als das Okapi erwachte, spürte es, dass seine einst schwarzen Streifen höllisch brannten und rosarot leuchteten. Das wird schon wieder, dachte es, und so ging eine Woche ins Land. Doch auch Bananenwickel und Blütenblattsalat brachten keine Linderung und so suchte das Okapi Doktor Orang auf.

Die Geschichte vom Kleinen Drachen

Im Norden Frankreichs, an der Küste der sagenumwobenen Bretagne, liegt die Côte de Granite Rose. Direkt am Meer stehen dort große Granitblöcke, deren rosafarbener Feldspat mit kleinen Spiegeln aus Quarz gesprenkelt ist und von glitzernden Linien aus schwarzem Glimmer durchzogen wird.

Wie geht es mir?

Diese Frage stelle ich meinem Mann vor jedem Arztbesuch. Denn sie wird kommen, und ich weiß keine Antwort darauf. 

Seit Covid ist auf mein Gehirn kein Verlass mehr, es sei denn, ich würde Gedanken sieben wollen. Sieben mal sieben ist…? Nichts. Weg. Vergessen. Beim Meditieren dagegen fällt mir das Loslassen, das Gedanken wie Wolken am Himmel vorbeiziehen lassen, viel schwerer als früher, immer vorausgesetzt, ich schaffe es, die notwendige Konzentration und Energie aufzubringen, mich zu fokussieren. Meinen Kopf hübsch leerzuräumen vermag nur noch ein Umzugsunternehmen.